Bezirk Krems: Europäischer Klimaschutz-Award geht an 3 Gemeinden und 1 Region aus Niederösterreich.

Die Gemeinden Böheimkirchen, Krummnußbaum und Wiener Neudorf sowie die Region Ternitz-Umgebung wurden vom Klimabündnis mit dem Climate Star ausgezeichnet.

Alle zwei Jahre vergibt die europäische Geschäftsstelle des Klimabündnis den Climate Star. Bereits zum achten Mal wurden die besten Klimaschutzprojekte Europas vor den Vorhang geholt. 15 Projekte aus sieben Ländern wurden heuer in Niederösterreich prämiert. Darunter die 1.200 EinwohnerInnen zählende ungarische Gemeinde Kunsziget mit einem Generationenprojekt, Marcallo con Casone in Italien als „Radfreundliche Gemeinde“, Tübingen in Deutschland mit der Klimaschutzkampagne „Tübingen macht blau“, Gent in Belgien mit der Foodsavers-Initiative sowie das kommunale Netzwerk von Energiestädten in der Schweiz mit dem Seeländer Solarcup. Eingereicht werden konnten laufende oder abgeschlossene Klimaschutzprojekte. Bewertet wurden diese nach den Kriterien Nachhaltigkeit, Multiplikatoreffekt, Medienwirksamkeit, Innovation und Einbindung der Bevölkerung.

Gastgeber der Gala im Schloss Grafenegg war das Land Niederösterreich. LH-Stellvertreter Dr. Stephan Pernkopf: „Österreich hat in diesem Halbjahr die EU-Ratspräsidentschaft inne und ist damit der Mittelpunkt Europas. Es freut uns daher umso mehr, die Europäischen Klimaschutzpreise ‚Climate Star‘ in Niederösterreich vergeben zu können. Das Land Niederösterreich ist als eine der ersten Regionen Europas vor 25 Jahren dem Klimabündnis beigetreten, mittlerweile haben wir 352 Klimabündnis-Gemeinden – so viele wie keine andere Region. Mit ihrer Unterstützung sind wir europäischer Vorreiter bei der Energiewende.“ Mit dabei waren bei der Auszeichnungsveranstaltung auch die Klimabündnis-Partner vom Rio Negro in Brasilien, FOIRN-Präsident Marivelton Rodrigues Barroso und der Anthropologe Renato Martelli Soares. Die international anerkannte Erfolgsgeschichte von Klimabündnis und der FOIRN feiert heuer ebenso 25jähriges Jubiläum der Partnerschaft.

Die Climate Stars aus Niederösterreich: In der Kategorie bis 10.000 EinwohnerInnen gingen drei Climate Stars nach Niederösterreich. Böheimkirchen überzeugte die internationale Jury mit dem Projekt „Lebensraum Michelbach“. Ausgangspunkt war die geplante Renaturierung des Michelbaches. Im Zuge der BürgerInnenbeteiligung wurde eine Naherholungszone samt Liegewiese, Grillplatz und Obstbaumstraße entworfen. Eine 6.000 m³ große Retentionsfläche mildert bei Starkniederschlägen Hochwasserspitzen ab. Gleichzeitig wurde das Projekt auch zur Ortskernverdichtung genutzt und zentrumsnahe Baugrundstücke durch Vereinfachung des wasserrechtlichen Verfahrens verfügbar gemacht. Krummnußbaum wurde für das Projekt „Innen- vor Außenentwicklung“ ausgezeichnet. Die Gemeinde im Mostviertel hat sich ganz der flächensparenden und kosteneffizienten Siedlungsentwicklung verschrieben. Erweiterungsflächen am Ortsrand wurden gestrichen. Ein neuer Platz im Ortszentrum wird angelegt und ein Gemeindezentrum geschaffen. Die neue zentrale Gebäudegruppe wird vielfältige Funktionen erfüllen: Nahversorgung, Gemeindeamt, Veranstaltungssaal, Gastronomie, Büros und Wohnraum.

Ein weiterer Climate Star in dieser Kategorie ging an Wiener Neudorf für das Projekt „Nachhaltige Wiener NeuDorferneuerung“. Die Gemeinde setzte bei der Mobilität an. Die Wiener Neudorf-Card gilt jetzt als Fahrschein für die Badener Bahn. Das Radwegenetz wurde verdreifacht und E-Carsharing eingeführt. Das Vorzeigeprojekt im Bereich Ökologie ist der Anningerpark. Auf mehreren Hügeln wurde erstmals in Niederösterreich auf einer Brachfläche ein Park nach ökologischen Kriterien ausgerichtet.

In der Kategorie „Kommunale Netzwerke“ wurde die Region Ternitz-Umgebung prämiert. „Wasser bringt Leben“ lautet der Titel des Projekts. Der Gemeindewasserleitungsverband setzt die Gebühren seit Jahren gezielt für Energie- und Klimaschutzmaßnahmen ein. Von 2012 bis 2017 wurden die Wasserverluste von 14 auf 9 % gesenkt. Der Strombedarf wird zum überwiegenden Teil mit Photovoltaik gedeckt. Vorbereitet ist der Verband auch auf mögliche, durch den Klimawandel verursachte zukünftige Szenarien, wie Wasserknappheit. Durch die Installierung von Notstromübergabekästen in allen Außenstationen sowie die Anschaffung eines Notstromaggregates ist eine Trinkwasser-Notversorgung gewährleistet. Im Brunnenfeld wurde zudem einen Bienenweide mit alten Obstbaumsorten und mittlerweile 12 Bienenvölkern eingerichtet.

Die Climate Stars 2018: * Kategorie 1 – bis 10.000 EinwohnerInnen: Böheimkirchen (AT) – Lebensraum Michelbach, Krummnußbaum (AT) – Innen- vor Außenentwicklung, Kunsziget (HU) – Generationenprojekt, Marcallo con Casone – Radfreundliche Gemeinde Wiener Neudorf – Nachhaltige Wiener NeuDorferneuerung

* Kategorie 2 – bis 100.000 EinwohnerInnen: Ettlingen (DE) – Energiesparboxen, Judenburg (AT) – Klimaschutz mit langem Atem, Narni (IT) – Null Abfall, Schifflingen (LU) – Müll trennen ist einfach und spart Geld, Tübingen (DE) – Tübingen macht blau.

* Kategorie 3 – über 100.000 EinwohnerInnen: Gent (BE) – Foodsavers

* Kategorie 4 – kommunale Netzwerke: Energiestädte Biel, Brügg, Nidau, Lyss (CH) – Seeländer Solarcup, KEM Sterngartl-Gusental (AT) – Freunde der Erde, Kreis Steinfurt (DE) – energieland2050, Ternitz-Umgebung (AT) – Wasser bringt Leben

Alle Preisträger und Projekte samt Videos gibt es auf www.klimabuendnis.at/climatestar 

Klimabündnis ist ein globales Klimaschutz-Netzwerk. Die Partnerschaft verbindet 23 indigene Völker in Amazonien mit mehr als 1.700 Gemeinden aus 26 Ländern in Europa. In Österreich setzen sich mehr als 970 Klimabündnis-Gemeinden, 1.100 Klimabündnis-Betriebe sowie 550 Klimabündnis-Schulen und -Kindergärten für Klimaschutz und Regenwald ein.

Informationen-Fotos: Mag. Hannes Höller, MA, Medien- & Öffentlichkeitsarbeit, Klimabündnis Österreich, A-1040 Wien, www.klimabuendnis.at