Gmünd: Der KomödienHerbst Niederösterreich findet heuer zum zweiten Mal mit dem Ziel, durch gemeinsames Lachen Grenzen zu überwinden, statt.

Die Komödie bietet einen idealen Brückenschlag, da man sich mit Situationen konfrontiert sieht, über die alle lachen können und eignet sich daher ideal zum Vorstellen unserer Freunde in Europa. Die Theateraufführung bietet nur einen zentralen Punkt, denn die Gewichtung liegt auf dem Kennenlernen des jeweiligen EU-Partners und dem Herausstreichen von Gemeinsamkeiten. So wird das jeweilige Land schon beim Eintritt ins Theater durch eine kleine Ausstellung vorgestellt, wobei es nicht um die Vermittlung kalter Zahlen und Fakten geht, sondern um Kurioses und Gemeinsames.

Vorgeschichte: 2007 wurde Rumänien durch das Lustspiel: „Eine stürmische Nacht“ von Ion Luca Caragiale (1852-1912) vorgestellt. Kooperationspartner war das Nationaltheater Radu Stanca in Hermannstadt, wo die Inszenierung auch zum Europäischen Theaterfestival von Ende Sept. bis Ende Nov. 2007 eingeladen wurde (neben Inszenierungen von Matthias Hartmann und Thomas Ostermeier). In NÖ und Hermannstadt wurden gemeinsam ca. 2.200 Besucher begrüßt.

2008 startet der KomödienHerbst mit der ungarischen Komödie „Der Teufel“ von Ferenc Molnár (1878 – 1952) in einer Neuübersetzung von István Orbán anlässlich des 100-jährigen Bühnenjubiläums des Stückes in deutscher Sprache am Wiener Volkstheater 1908.  Intendantin: Manuela Seidl – Künstlerische Leitung: Marius Schiener

Die Themen im Stück sind Liebe, Leidenschaft, unausgesprochene Wünsche und Hemmungen. Die Figur des Teufels ist die eines Verführers, der die Gedanken der einzelnen Personen laut ausspricht, die ohne ihn im Verborgenen geblieben wären und sie steht in der Tradition des impressionistischen Dramas.

Inhalt „Der Teufel“: Zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn fand der Maler Hans (János) als Hauslehrer in der Familie des Großindustriellen Zanden sein Auskommen. Er unterrichtete den Sohn Alfred (László) im Zeichnen und verliebte sich in die gleichfalls arme Jolantha (Jolán), die Spielgefährtin von Alfreds Schwestern. Doch Jolantha heiratete nicht ihn, sondern den reichen Alfred.

Nach sechs Jahren kommt Jolantha zum ersten Mal in Hans’ Atelier, um sich auf Alfreds Wunsch porträtieren zu lassen. Hans ist mittlerweise ein erfolgreicher Künstler geworden und Seiden-Mizzi (Selyem Cinka), eines seiner Modelle ist nicht seine einzige Verehrerin. Im Atelier erscheint aus dem Nichts ein unbekannter Mann, der sowohl Hans’ als auch Jolanthas Gedanken und Gefühle frei aussprechen kann und der über besondere Überzeugungskraft verfügt.

Jolantha verliebt sich wieder in Hans und plant nun, auch um jeden Verdacht von vornherein auszuschließen, Hans mit ihrer Freundin, der schönen und klugen Elsa (Elza) zu verheiraten. Das soll bei einem Fest in Alfreds Haus vor sich gehen. Doch haben alle Beteiligten die Rechnung ohne den seltsamen Unbekannten gemacht….

Zum Autor: Franz Molnár wurde am 12. Januar 1878 in Budapest als Sohn eines Militärarztes geboren. Er studierte auf Wunsch des Vaters in Budapest und Genf Jura, später arbeitete er als Journalist, Romancier und Bühnenautor. Zu internationalem Ansehen gelang er erstmals durch sein 1907 entstandenes Stück „Der Teufel“. 1909 entstand „Liliom“, das fiel allerdings bei der Uraufführung am 7. Dezember 1909 gnadenlos durch. Erst mit der Aufführung der deutschen Bearbeitung durch Alfred Polgar 1912 in Wien trat das Stück seinen Siegeszug an, wurde 1934 von Fritz Lang verfilmt und war 1945 Vorlage für das Broadway-Musical "Carousel" von Rodgers und Hammerstein.

Molnár löste mit seinen Stücken Literaturfehden und Skandale aus, dabei war die vermeintliche "Unsittlichkeit" nichts als Gesellschaftskritik, rücksichtslos und hart. Er schrieb amüsanten Boulevard internationalen Stils, routiniert im Aufbau, witzig und pointiert. Seine Komödien spiegeln das doppelbödige der Moral der mondänen Gesellschaft. Sein großes Talent war, Stücke mit menschlichem Hintergrund zu schreiben, in denen tragische und humorvolle Elemente einander durchdringen.

Molnár schrieb insgesamt 32 Stücke, darunter „Der Leibgardist“(1910), „Das Märchen vom Wolf“(1912), “ Der Schwan“(1920), „Eins, Zwei, Drei“ (1926), „Spiel im Schloss“ (1926), „Olympia“ (1928). 1937 floh er vor den Nationalsozialisten und lebte seit 1940 in New York, wo er sich vor allem mit dem Schreiben von Filmdrehbüchern beschäftigte. Am 1. April 1952 starb Franz Molnár in New York. Hans Weigel nennt ihn „Schopenhauer des Boulevard“, lobte seine Gesellschaftskritik und meint: „Dass Molnár ein Dichter war, muss sich erst herumsprechen.“

Realisiert wird die Aufführung als künstlerische Koproduktion mit der Deutschen Bühne Ungarn (DBU), Szekszárd und des Collegium Hungaricum in Wien.

Interkultureller Dialog: An der Theaterproduktion arbeiten Künstler aus vier Ländern gemeinsam (Österreich, Ungarn, Deutschland, Tschechien). Auch in der Sparte der bildenden Kunst kommt es zu einer Begegnung, denn heuer werden Exponate der ungarischen „Filz“ – Künstlerin Kati Bobály (Budapest) und dem Waldviertler Maler Andreas Haushofer ausgestellt. Bei den Vorstellungen in Székszard und Hainburg stellen wir unseren ungarisch sprechenden BesucherInnen Headsets mit einer Simultanübersetzung zur Verfügung.

Akteure: Katalin Lotz (DBU), Alice Müller (DBU), Manuela Seidl, Leopold Dallinger, Gergely Kispál (DBU), Robert Ritter, Christian Schratt Regie: Marius Schiener, Bühnenbild und Kostüme: Péter Ondraschek (HU)

Vorstellungen: 25. September (Premiere) bis 11. Oktober 08 im Kulturhaus Gmünd, Hans-Lenz-Straße 13, 3950 Gmünd Kartenvorverkauf und Information: Stadtgemeinde Gmünd, Schremser Str. 6, 3950 Gmünd Tel.: 02852/ 525 06 -123 / Fax: 02852/ 525 06 -501 / E-Mail: tourismus@gmuend.at  

14. bis 21. Oktober 08 in der Deutschen Bühne Ungarn, Deutsche Bühne Ungarn, H-7100 Szekszárd, Garay tér 4. Kartenvorverkauf und Information: Deutsche Bühne Ungarn, Tel.:+36/74/316-533 / Fax:+36/74/316-725 / E-Mail: dbu@vnet.hu

24. Oktober 08 in der Kulturfabrik Hainburg, Donaulände 33, 2410 Hainburg/Donau Kartenvorverkauf und Information: Gästeinformationsbüro der Stadtgemeinde Hainburg, Ungarstraße 3, 2410 Hainburg, Tel.: +43/2165/62111 – 23

Ungarische Wochen in Gmünd: Der niederösterreichische Leitbetrieb Hotel Goldener Stern wird während der Spielzeit ungarische Küche servieren. In Zusammenarbeit mit dem ungarischen Tourismusamt in Wien konnte ein ungarischer Koch für eine Woche als Küchen – „Artist in residence“ gewonnen werden.

http://www.komoedienherbstniederoesterreich.at/, www.goldener-stern.eu