Hollabrunn: Am 11.08.10 fand an der Landwirtschaftlichen Fachschule Hollabrunn das Symposium zum Themenbereich „Mulch- und Direktsaat“ statt, an dem rund 200 Personen teilnahmen.

Dabei wurden die neuesten Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet von renommierten Fachleuten präsentiert. Am Nachmittag gab es einen Feldtag, wo die pflanzenbaulichen Aspekte und die neusten Maschinen in der Praxis präsentiert wurden.

„Aktiver Bodenschutz ist eine wesentliche Voraussetzung für eine nachhaltige Landbewirtschaftung, die durch ein optimiertes Gründeckenmanagement, eine dauerhafte Bodenabdeckung sowie Mulch- und Direktsaat erreicht wird“, erklärte Landesgüterdirektor DI Dr. Josef Rosner. „Neben den ökologischen Vorteilen wurden beim Symposium auch die ökonomischen Bereiche des Erosionsschutzes durch umweltschonende Bodenbearbeitungssysteme beleuchtet“, so Agrar-Experte DI Dr. Rosner.

„Mit dem Symposium an der LFS Hollabrunn zeigen wir die praktische Umsetzung von fachlichem Know-how, um den Landwirten die Wichtigkeit einer schonenden Bodenbearbeitung möglichst plausibel zu zeigen“, betonte Direktor Ing. Rudolf Reisenberger. Als Tagungsteilnehmer konnten auch Dr. Hannes Lang, Aufsichtsratsvorsitzender der RWA, und Obmann Ing Johann Rohringer, Lagerhaus Hollabrunn-Horn, begrüßt werden.

Aktiver Bodenschutz für eine nachhaltige Landbewirtschaftung: Beim Symposium gab es zahlreiche Referate zum aktiven Bodenschutz. Dr. Wilfried Hartl, Bioforschung Austria, sprach zum Thema „Begrünungsmanagement und Boden“. Univ.-Ass. Dipl.-Ing. Dr. Gernot Bodner von der Universität für Bodenkultur präsentierte die neuesten Versuchsergebnisse zur Begrünung, Wurzelentwicklung und Wasserbilanz.

Dipl.-Ing. Dr. Josef Rosner, Abteilung Landwirtschaftliche Bildung, gab einen fundierten Überblick der Bodenbearbeitung und des Erosionsschutzes in Niederösterreich. Dr. Rolf Derpsch, ein Pionier der Direktsaat und konservierende Bodenbearbeitung, referierte zu „Direktsaat – ein global verbreitetes System“. Die Auswirkung von Bodenbearbeitungsmethoden auf die CO2–Emission wurde von Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Andreas Klik, Universität für Bodenkultur, behandelt.

Dipl.-Ing. Harald Summerer, Landwirtschaftliche Fachschule Hollabrunn, präsentierte die Versuchsergebnisse der LFS Hollabrunn. Und Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Günther Breuer, Universität für Bodenkultur, sprach zu den ökonomischen Aspekten von Mulch– und Direktsaat.

Beim Symposium „Mulch- und Direktsaat“ wurden die Maschinen auch einem Praxistest unterzogen. Im Bild von links: Landesgüterdirektor DI Dr. Josef Rosner, Dr. Rolf Derpsch, ein Pionier der Direktsaat, Direktor Ing. Rudolf Reisenberger und Versuchskoordinator Franz Ecker.  

Am Nachmittag fand der Feldtag statt, bei dem die Direktsaatmaschinen in der Praxis vorgeführt wurden. Dipl.-Ing. Michael Deimel, Landwirtschaftskammer NÖ, leitete die Maschinenvorführung auf den Demonstrationsfeldern. Dabei wurde die modernste Sähtechnik zahlreicher Hersteller präsentiert. Als Veranstalter zeichnen LandImpulse, die LFS Hollabrunn und die Landwirtschaftskammer verantwortlich.

Umweltschonende Bodenbearbeitung: In Österreich sind durch den Anbau von Mais, Zuckerrüben, Sonnenblumen, Sojabohnen und Kartoffeln sowie durch die Kultivierung von Weinreben und Obst über 450.000 Hektar als potentiell erosionsgefährdet anzusehen.

Um die Bodenerosion zu verringern nehmen bodenschonende Bearbeitungen zu. Die geschieht einerseits durch die ÖPUL-Maßnahmen (Österreichisches Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft) und andererseits durch eine geänderte Denkweise der Landwirte, die auf den ökonomischen Druck, aber auch durch ökologische Überlegungen reagieren.

Die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft in den hochentwickelten Ländern führt zu einem Trend zu Großmaschinen. Diese Geräte finden sich zunehmend in den Ackerbaugebieten Österreichs und werden über Maschinenringe oder Betriebsgemeinschaften eingesetzt. Das führt dazu, dass immer höhere Gewichte über die Felder transportiert werden, zudem steigen durch intensive Bearbeitungsmaßnahmen die Befahrhäufigkeiten.

Die Tragfähigkeit der Ackerböden wird übermäßig beansprucht und es wird anschließend versucht, mit tieflockernden Maßnahmen das gestörte Gefüge wieder zu reparieren, der Erfolg ist aber zweifelhaft.

Aus diesem Grund werden auf den Landesgütern der Landwirtschaftlichen Fachschulen in Niederösterreich seit fast zwei Jahrzehnten Bodenbearbeitungsversuche angelegt. Neben konventionellen Verfahren werden Mulch- und Direktsaatmethoden erfolgreich getestet.

Erosionsmessungen gemeinsam mit dem Institut für Hydraulik und landeskulturelle Wasserwirtschaft der Universität für Bodenkultur zeigen Reduktionen der Erdabträge durch Mulchsaat von 68 Prozent und durch Direktsaat von 83 Prozent.

Ähnliche Tendenzen sind bei den Nährstoff- und Pestizidabträgen zu beobachten. Die Erträge ändern sich durch die mulchende Bodenbearbeitung bzw. Direktsaat nicht signifikant, lediglich die Mykotoxinwerte sind bei falscher Bodenbearbeitung zu verfolgen. 

Landwirtschaftliche Fachschule Hollabrunn, www.diefachschule.at

Informationen-Foto: Mag. Jürgen Mück, www.lako.at